Ausgabe 09/2026
Prof. William Pérez, Präsident der Weltvereinigung der Veterinäranatomen (WAVA) und Chefredakteur der Zeitschrift „Anatomia, Histologia, Embryologia“, und Prof. emeritus Dr. Horst Erich König, erster Vizepräsident für Europa der WAVA
Prof. Dr. Josef Frewein, emeritierter Professor für Veterinäranatomie, wurde am 6. Februar 1933 in Eggenburg geboren und verstarb am 30. November 2003 in Zürich. Mit ihm verlor die veterinäranatomische Fachwelt damals eine international hoch angesehene Persönlichkeit, die das Fachgebiet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat (Generation, 2004; Universität Zürich, 2004).
Josef Frewein wurde 1933 zwar in Niederösterreich geboren, verbrachte seine Jugend allerdings in der Steiermark. Er besuchte das Gymnasium in Knittelfeld; nach der Matura studierte er Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule in Wien. Seine Dissertation zum Thema „Anteil des Sympathicus an der autonomen Innervation des Rindermagens“ schrieb Frewein bei Prof. Josef Schreiber. Er promovierte 1958 zum Dr. med. vet. und wurde danach Assistent am Institut für Anatomie, wo er sich bei Prof. Oskar Schaller 1968 mit einer Arbeit über „Die Faszien an den Schultergliedmaßen von Schwein, Rind und Pferd – Struktur und Bedeutung für den Einbau der Leitungsbahnen“ habilitierte. In seiner Habilitation, die er mit brillanten Zeichnungen ausstattete, legte er den Grundstein für den Begriff „arteriovenöse Koppelungen“, die für die periphere Blutzirkulation von Bedeutung sind. Dadurch konnten diese Koppelungen auch an Strukturen, die im Bereich von starren Umgebungen wie im Hufbereich vorliegen, untersucht und bestätigt werden (König, Popescu, Polsterer-Heindl und Hinterhofer, 2003).
1972 wurde Frewein auf eine C3-Professur an das Institut für Makroskopische Anatomie der Ludwig-Maximilians-Universität unter der Leitung von Prof. Bernd Vollmerhaus nach München berufen.
Frewein zeichnete sich nicht nur durch seine außergewöhnlich erfolgreichen Forschungsarbeiten aus, er stach auch in seinen Vorlesungen vor Studenten durch seine besonderen didaktischen Fähigkeiten hervor.
Mit Amtsantritt zu Beginn des Sommersemesters 1974 wurde Frewein als Professor für Veterinäranatomie und Direktor des Instituts für Veterinäranatomie an die Universität Zürich berufen. Mit seiner Berufung übernahm er die Leitung des Instituts und prägte dieses über mehr als zwei Jahrzehnte entscheidend (Schweiz. Arch. Tierheilkd., 1974). Frewein wurde 1982 in Zürich auch zum Dekan gewählt, dieses Amt bekleidete er bis 1988 (Universität Zürich, 2004). Unter Freweins Führung entwickelte sich die veterinäranatomische Ausbildung in Zürich zu einem bedeutenden Zentrum im deutschsprachigen Raum. Seine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrierten sich vor allem auf die vergleichende Anatomie der Haussäugetiere sowie auf funktionell-morphologische Fragestellungen, besonders im Bereich des Bewegungsapparats (Frewein, 1967).
Internationale Bedeutung erlangte Frewein vor allem durch sein Engagement in der veterinäranatomischen Nomenklatur. Als Vorsitzender des International Committee on Veterinary Gross Anatomical Nomenclature (ICVGAN) spielte er eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung und Standardisierung der Nomina Anatomica Veterinaria (NAV), die bis heute die verbindliche Grundlage der anatomischen Terminologie in der Veterinärmedizin darstellen (ICVGAN, 2012; ICVGAN, 2017). In Anerkennung seiner Verdienste wurde die fünfte Auflage der NAV ihm und Robert E. Habel gewidmet.
Neben seiner Forschung und internationalen Tätigkeit war Frewein ein engagierter Hochschullehrer und Mitherausgeber bedeutender anatomischer Lehrwerke. Er wirkte unter anderem an den Bänden des „Lehrbuchs der Anatomie der Haustiere“ (Nickel, Schummer, Seiferle) sowie an weiteren Standardwerken zur Anatomie von Hund und Katze (Hrsg. Frewein und Vollmerhaus) mit, die bis heute breite Verwendung in der veterinärmedizinischen Ausbildung finden. Sein weltweites Ansehen im Kreis der Veterinäranatomen führte dazu, dass er 1975 zum Präsidenten der Weltvereinigung der Veterinäranatomen (WAVA) gewählt wurde. Er war in dieser Funktion bis 1979 tätig.
Mit Prof. Frewein verlor die Wissenschaft im Jahr 2003 nicht nur einen herausragenden Anatomen, sondern auch einen engagierten Lehrer und Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sein Wirken bleibt in der internationalen Vereinheitlichung der veterinäranatomischen Terminologie und in der Ausbildung mehrerer Generationen von Tierärztinnen und Tierärzten nachhaltig verankert.
Autoren
Prof. Dr. William Pérez, National System of Researchers Anatomy Montevideo, Uruguay, E-Mail: vetanat@gmail.com
Prof. emeritus Dr. Horst König, Veterinärmedizinische Universität Wien, Anatomie. E-Mail: horst.koenig@vetmeduni.ac.at
Literatur
Frewein, J. (1967): Die Faszien an den Schultergliedmaßen von Schwein, Rind und Pferd. Wien.
Generation, H. (2004): Nekrolog: Josef Frewein. Schweizer Archiv für Tierheilkunde 146, 315–316.
Universität Zürich (2004): Nachruf auf Prof. Dr. Josef Frewein. UZH Journal, 1/2004. Verfügbar unter: https://www.journal.uzh.ch/dam/jcr:00000000-086d-f41b-0000-00000196d630/unijournal-2004-1.pdf
Schweizer Archiv für Tierheilkunde (1974): Neubesetzung des Lehrstuhls am Institut für Veterinäranatomie an der Universität Zürich. Schweiz. Arch. Tierheilkd. 116, 260. Verfügbar unter: https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=sat-003%3A1974%3A116%3A%3A868
International Committee on Veterinary Gross Anatomical Nomenclature (ICVGAN) (2012): Nomina Anatomica Veterinaria. 5. Auflage. Hannover.
International Committee on Veterinary Gross Anatomical Nomenclature (ICVGAN) (2017): Nomina Anatomica Veterinaria. 6. Auflage. Hannover.
Nickel, R., Schummer, A., Seiferle, E. (Hrsg.): Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Berlin/Hamburg; Parey.
Frewein, J., Vollmerhaus, B. (1994): Anatomie von Hund und Katze. Berlin; Blackwell.
König, H. E., Popescu, A., Polsterer-Heindl, E. und Hinterhofer, Chr. (2003): Arteriovenöse Koppelungen im Zehenendorgan des Pferdes. Pferdeheilkunde, 19, S. 459-462