Forschung

Studie zur Gesundheit von Bienenköniginnen

Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
29.04.26

Inhaltsverzeichnis

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Mag. Silvia Stefan-Gromen

Ausgabe 04/2026

Die Studie „A longitudinal study of queen health in ­honey bees reveals tissue specific response to seasonal changes and pathogen pressure“ (veröffentlicht auf „Scien­tific Reports“) untersucht, wie sich Krankheits­erreger, Mikrobiom und Immunreaktionen im Verlauf einer ­Saison auf die Gesundheit von Honigbienen­königinnen aus­wirken. Da die Königin eine zentrale Rolle für die ­Stabilität und Produktivität eines Bienenvolks spielt, ist ihr Gesundheitszustand entscheidend für das Über­leben und die Leistungsfähigkeit der gesamten Kolonie.

Für die Untersuchung wurden über mehrere ­Monate hinweg Königinnen aus kommerziellen Imkerei­betrieben analysiert. Die Forschenden betrachteten dabei insbesondere das Darmmikrobiom, die Genexpression des Immunsystems sowie die Belastung mit wich­tigen Krankheitserregern. Ziel war es, zu verstehen, wie ­saisonale Veränderungen und Infektionsdruck miteinander interagieren und welche Auswirkungen dies auf die ­Königinnen hat.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl das Mikrobiom als auch die Immunaktivität der Königinnen im Lauf der Saison deutlich verändern. Mit zunehmendem biologischem Alter der Königinnen nahm die Größe des Darmmikrobioms zu. Besonders häufig wurden Bakterien der Gattungen Bombella und Bifidobacterium gefunden, die offenbar mit dem Alter und dem physiologischen Zustand der Königin zusammenhängen. Gleichzeitig variierte die Genexpression zahlreicher Immun- und Stoffwechselgene im Verlauf der untersuchten ­Monate, was auf eine dynamische Anpassung an Umwelt­bedingungen und Krankheitserreger hindeutet.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft Virus­erkrankungen. Vor allem das Deformed-Wing-Virus (DWV), eines der weltweit wichtigsten Bienenviren, wurde in verschiedenen Geweben der Königinnen nach­gewiesen. Die Viruslast stieg im Lauf der Saison stark an und erreichte im Winter besonders hohe Werte. Gleichzeitig zeigte sich, dass hohe Viruskonzentrationen mit einer verminderten Expression des Proteins Vitellogenin verbunden waren. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle für Reproduktion, Stoffwechsel und Immun­funktion der Bienen. Die Ergebnisse deuten daher auf einen möglichen Zielkonflikt zwischen Immunabwehr und re­produktiver Leistungsfähigkeit der Königin hin.

Darüber hinaus fanden die Forschenden Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Krankheitserregern. In einigen Proben wurde ein Zusammenhang zwischen Infektionen mit dem Mikrosporidium Nosema ceranae und dem Bakterium Melissococcus plutonius, dem Erreger der Europäischen Faulbrut, beobachtet. Dies deutet darauf hin, dass opportunistische Infektionen auch bei Königinnen auftreten können und nicht ausschließlich ein Problem der Arbeiterinnen darstellen.

Bienenkönigin und Koloniestabilität

Die Studie zeigt außerdem, dass viele Veränderungen bei Königinnen eng mit Faktoren auf Kolonieebene zusammenhängen, etwa mit der Virusbelastung der Arbeiterinnen oder mit dem Befall durch Varroamilben. Dadurch wird deutlich, dass die Gesundheit der Königin nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil eines komplexen Systems aus Koloniegesundheit, Umweltbedingungen und Krankheitserregern ist.

Für die veterinärmedizinische Praxis bedeutet dies, dass die Bewertung der Bienengesundheit immer auch die Königin einbeziehen sollte. Virusinfektionen, Parasitenbefall und Veränderungen im Mikrobiom können sich direkt oder indirekt auf ihre Leistungsfähigkeit auswirken und somit das Risiko von Kolonieverlusten er­höhen.

Quelle

https://www.nature.com/articles/s41598-024-58883-1

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