Ausgabe 05/2026
Mag. Silvia Stefan-Gromen
Die beiden AMR-Forscher*innen Ulf Magnusson1 und Gunilla Ström Hallenberg2 haben im Auftrag der World Organisation for Animal Health (WOAH) die Auswirkungen antimikrobieller Resistenzen (AMR) aus einer One-Health-Perspektive untersucht sowie die Verfügbarkeit entsprechender Daten überprüft.
Die Nutztierhaltung ist der weltweit größte Verbraucher von Antibiotika und ein zentraler Treiber für AMR. Da Menschen und Tiere gemeinsame Krankheitserreger haben und ähnliche Antibiotika eingesetzt werden, können resistente Bakterien über direkten Kontakt oder die Nahrungskette vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Das genaue Ausmaß ist jedoch noch unklar.
Gleichzeitig gelangen resistente Keime und Antibiotika über Abwässer, die Landwirtschaft und die Industrie in Böden und Gewässer, die so als Reservoir für Resistenzen fungieren.
Auswirkungen auf Tierhaltung
Ein Therapieversagen durch Resistenzen ist im Nutztiersektor gut bekannt, wird jedoch selten in wirtschaftliche Kennzahlen übersetzt. Es fehlen globale Daten zum Einsatz von Antibiotika und zu Resistenzen, ebenso wie ein allgemein anerkanntes System zur Berechnung der Kosten durch Tierkrankheiten, Tierverluste, Produktionsausfälle und Gesundheitsausgaben.
Die Auswirkungen von AMR im Bereich der menschlichen Gesundheit sind besser dokumentiert und geografisch umfassender erfasst als im Nutztiersektor. Dennoch bestehen auch hier in einigen Regionen der Welt Datenlücken.
Die World Organisation for Animal Health liefert globale Daten, allerdings meist nur auf regionaler Ebene. Detailliertere Informationen (für Europa) bietet die European Medicines Agency. Weltweit fehlen jedoch einheitliche und umfassende Resistenzdaten; Programme wie „InFarm“ der Food and Agriculture Organization sollen diese Lücke schließen.
Zu den Folgen von AMR zählen insbesondere eine starke Belastung der Gesundheitssysteme durch langsamere Genesung und ein erhöhtes Risiko für Komplikationen bei Infektionskrankheiten. Zudem sind Antibiotikaresistenzen eine globale Gesundheitsbedrohung: Im Jahr 2021 starben 1,14 Millionen Menschen in diesem Kontext; für 2050 sind 1,91 Millionen Todesfälle prognostiziert.
Sowohl im Nutztiersektor als auch im Bereich der menschlichen Gesundheit unterscheiden sich die Auswirkungen von AMR sowie die Möglichkeiten zur Eindämmung je nach wirtschaftlichem Kontext. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind die Folgen schwerwiegender und die Gegenmaßnahmen begrenzter als in wohlhabenderen Ländern. Besonders die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Nutztiersektor werden bislang nur unzureichend erfasst. Prognosen gehen bis 2050 von Produktionsrückgängen von bis zu zehn Prozent aus.
Ein Hauptproblem ist der Mangel an verlässlichen Daten. Bessere Überwachung und ein reduzierter, gezielter Antibiotikaeinsatz sind entscheidend zur Eindämmung von AMR.
Quelle
Magnusson U., Ström Hallenberg G.: Impacts of antimicrobial resistance: examining the animal and human health, economic and environmental consequences. Rev. Sci. Tech. 2025; 44:3681, Licensee: World Organisation for Animal Health, https://doi.org/10.20506/rst.44.3681
1 Department of Clinical Sciences, Swedish University of Agricultural Sciences, Ulls väg 26, 75651 Uppsala, Sweden
2 Department of Animal Health and Welfare, Swedish Board of Agriculture, Skeppsbrogatan 2, 55329 Jönköping, Sweden
Die Situation in Österreich
Im Nutztierbereich zeigen nationale Monitoringprogramme zum Antibiotikaeinsatz bereits Wirkung. Insbesondere durch gesetzliche Vorgaben, Leitlinien zur guten veterinärmedizinischen Praxis sowie verpflichtende Meldesysteme für Antibiotikamengenströme konnte eine stärkere Sensibilisierung erreicht werden. Dennoch bestehen Unterschiede zwischen Tierarten und Produktionssystemen und der gezielte, indikationsbezogene Einsatz bleibt eine zentrale Herausforderung.
Resistenzdaten aus Österreich weisen darauf hin, dass bestimmte bakterielle Erreger sowohl bei Tieren als auch beim Menschen zunehmend Resistenzen gegenüber häufig eingesetzten Antibiotika entwickeln. Die Übertragung resistenter Keime über Lebensmittel tierischen Ursprungs oder direkten Tierkontakt gilt als möglich, auch wenn ihr konkreter Beitrag zum Gesamtproblem – ähnlich wie global – schwer quantifizierbar ist.
Eine besondere Rolle spielt in Österreich die enge Verzahnung von Behörden, Forschungseinrichtungen und Interessenvertretungen. Institutionen wie das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) tragen zur systematischen Erfassung und Bewertung des Antibiotikaverbrauchs bei. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Umweltaspekten – etwa Einträge von Antibiotika und resistenten Keimen in Gewässer – zunehmend anerkannt, wenngleich hierzu noch Datenlücken bestehen.
Insgesamt zeigt sich, dass Österreich im internationalen Vergleich über eine solide Datenbasis und funktionierende Strukturen verfügt. Dennoch unterstreichen auch nationale Erkenntnisse die zentrale Aussage: Eine kontinuierliche Verbesserung der Datenerhebung, ein verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz sowie die weitere Stärkung des One-Health-Ansatzes sind entscheidend, um AMR langfristig wirksam einzudämmen