Forschung

Auswirkungen antimikrobieller Resistenzen: Untersuchung der gesundheitlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen bei Tier und Mensch

Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
28.05.26

Inhaltsverzeichnis

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Ausgabe 05/2026

Mag. Silvia Stefan-Gromen

Die beiden AMR-Forscher*innen Ulf Magnusson1 und Gunilla Ström Hallenberg2 haben im Auftrag der World Organisation for Animal Health (WOAH) die Auswirkungen antimikrobieller Resistenzen (AMR) aus einer One-Health-Perspektive untersucht sowie die Verfügbarkeit entsprechender Daten überprüft.

Die Nutztierhaltung ist der weltweit größte Verbraucher von Antibiotika und ein zentraler Treiber für AMR. Da Menschen und Tiere gemeinsame Krankheitserreger haben und ähnliche Antibiotika eingesetzt werden, können resistente Bakterien über direkten Kontakt oder die Nahrungskette vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Das genaue Ausmaß ist jedoch noch unklar.
Gleichzeitig gelangen resistente Keime und Antibiotika über Abwässer, die Landwirtschaft und die Industrie in Böden und Gewässer, die so als Reservoir für Resistenzen fungieren.

Auswirkungen auf Tierhaltung

Ein Therapieversagen durch Resistenzen ist im Nutztiersektor gut bekannt, wird jedoch selten in wirtschaft­liche Kennzahlen übersetzt. Es fehlen globale Daten zum Einsatz von Antibiotika und zu Resistenzen, ebenso wie ein allgemein anerkanntes System zur Berechnung der Kosten durch Tierkrankheiten, Tierverluste, Produk­tionsausfälle und Gesundheitsausgaben.

Die Auswirkungen von AMR im Bereich der menschlichen Gesundheit sind besser dokumentiert und geografisch umfassender erfasst als im Nutztiersektor. Dennoch bestehen auch hier in einigen Regionen der Welt Datenlücken.

Die World Organisation for Animal Health liefert ­globale Daten, allerdings meist nur auf regionaler Ebene. ­De­tailliertere Informationen (für Europa) bietet die European Medi­cines Agency. Weltweit fehlen jedoch einheitliche und umfassende Resistenzdaten; Programme wie „­InFarm“ der Food and Agriculture Organization sollen diese Lücke schließen.

Zu den Folgen von AMR zählen insbesondere eine ­starke Belastung der Gesundheitssysteme durch langsamere Genesung und ein erhöhtes Risiko für Komplikationen bei Infektionskrankheiten. Zudem sind Antibiotika­resistenzen eine globale Gesundheitsbedrohung: Im Jahr 2021 starben 1,14 Millionen Menschen in diesem Kontext; für 2050 sind 1,91 Millionen Todesfälle prognostiziert.

Sowohl im Nutztiersektor als auch im Bereich der menschlichen Gesundheit unterscheiden sich die Auswirkungen von AMR sowie die Möglichkeiten zur Eindämmung je nach wirtschaftlichem Kontext. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind die Folgen schwerwiegender und die Gegenmaßnahmen begrenzter als in wohlhabenderen Ländern. Besonders die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Nutztiersektor werden bislang nur unzureichend erfasst. Prognosen gehen bis 2050 von Produktionsrückgängen von bis zu zehn Prozent aus.
Ein Hauptproblem ist der Mangel an verlässlichen Daten. Bessere Überwachung und ein reduzierter, gezielter Antibiotikaeinsatz sind entscheidend zur Eindämmung von AMR.

Quelle

Magnusson U., Ström Hallenberg G.: Impacts of antimicrobial resistance: examining the animal and human health, economic and environmental consequences. Rev. Sci. Tech. 2025; 44:3681, Licensee: World ­Organisation for Animal Health, https://doi.org/10.20506/rst.44.3681
1 Department of Clinical Sciences, Swedish University of Agricultural Sciences, Ulls väg 26, 75651 Uppsala, Sweden
2 Department of Animal Health and Welfare, Swedish Board of Agriculture, Skeppsbrogatan 2, 55329 Jön­köping, Sweden

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