Ausgabe 06/2026
Tierärztin Tanja Warter
Seit etwa 15 Jahren ist das Thema „BARF“ aus der Hundefütterung nicht mehr wegzudenken. Die Katzenernährung zieht immer stärker nach, und Bedenken gegenüber kommerziellem Futter wachsen. Das macht es Tierärztinnen und Tierärzten im Praxisalltag oft nicht einfach.
Eine Katzenhalterin kommt in die Praxis und berichtet begeistert von ihren jüngsten Erkenntnissen. Sie erzählt: „Cindy schien mir schon länger etwas träge, sie war extrem mäkelig beim Fressen, ihr Fell hatte keinen schönen Glanz, teils sogar Schuppen, und manchmal hat sie komisch aus dem Maul gerochen. Deswegen habe ich angefangen zu barfen. Jetzt bekommt sie nur noch rohes Fleisch. Und siehe da, die Schuppen sind weg, das Fell glänzt und sie ist wieder viel aktiver.“
Wem kommt diese Situation bekannt vor? Und wieso nehmen Tierbesitzerinnen und -besitzer gefühlt immer öfter Effekte wie diese wahr? Ein Gespräch über das Barfen von Katzen mit Dr. Diana Brozic, PhD, ECVCN Trained Resident, Wissenschafterin in der Arbeitsgruppe „Small Animal Clinical Nutrition“ an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Eine Katzenhalterin kommt in die Praxis und berichtet begeistert von ihren jüngsten Erkenntnissen. Sie erzählt: „Cindy schien mir schon länger etwas träge, sie war extrem mäkelig beim Fressen, ihr Fell hatte keinen schönen Glanz, teils sogar Schuppen, und manchmal hat sie komisch aus dem Maul gerochen. Deswegen habe ich angefangen zu barfen. Jetzt bekommt sie nur noch rohes Fleisch. Und siehe da, die Schuppen sind weg, das Fell glänzt und sie ist wieder viel aktiver.“
Wem kommt diese Situation bekannt vor? Und wieso nehmen Tierbesitzerinnen und -besitzer gefühlt immer öfter Effekte wie diese wahr? Ein Gespräch über das Barfen von Katzen mit Dr. Diana Brozic, PhD, ECVCN Trained Resident, Wissenschafterin in der Arbeitsgruppe „Small Animal Clinical Nutrition“ an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Frau Brozic, wenn eine Katzenbesitzerin zu Ihnen kommt und von den positiven Auswirkungen des Barfens schwärmt, wie reagieren Sie dann?
Ich als Ernährungswissenschafterin würde zuerst nachfragen, was eigentlich vorher gefüttert wurde. Das ist häufig der Knackpunkt, warum es zu dieser Verbesserung gekommen ist. Es geht im Wesentlichen um die Nährstoffe und die Verdaulichkeit, die durch das neue Fütterungskonzept vielleicht verbessert wurden – und es ist gut möglich, dass derselbe positive Effekt auch mit einem Wechsel auf ein neues, hochwertiges Fertigfutter erzielt worden wäre; zum Beispiel mit einer tierärztlichen Diät, die für das Magen-Darm-System oder die Hautgesundheit bestimmt ist. Die Frage nach dem Davor gibt viel Aufschluss.
Das Erfolgsgefühl bei den Besitzern ist groß, Risiken werden schnell ausgeblendet. Wie kann man den eingeschlagenen Weg anpassen, sodass der Besitzer seinem Wunsch nach natürlicher Ernährung – der ja oft genannt wird – trotzdem nachkommen kann?
Es gibt eine Art Zwischenlösung, bei der ich jedoch empfehlen würde, vor der Umstellung einen Tierernährungsberater zu konsultieren: die selbst zubereitete Ernährung. Da verfolgen wir also einen ähnlichen Ansatz: Der Besitzer kauft die Zutaten selbst, weiß also genau, was er füttert, aber wir wenden minimale Wärmebehandlung an. Durch den Einsatz von Wärme eliminieren wir bestmöglich das Risiko von Krankheitserregern. Wenn ein Tier über Jahre hinweg mit rohem Fleisch gefüttert wird, wird es irgendwann vermutlich zum Kontakt mit einem Krankheitserreger kommen. Das wollen wir so verhindern.
In der Praxis verwenden die Leute meist jenes Fleisch, das sie auch für sich selbst im Supermarkt einkaufen, und verwenden es hygienisch, weil sie zum Beispiel bei Huhn über Themen wie Salmonellen informiert sind. Worin bestehen dann die Risiken?
Ich frage immer nach: Sind Sie sicher, dass das Futter vollständig und ausgewogen ist? Es gibt fertige Barf-Pakete, die diesen Anspruch erfüllen. Aber bei selbst zusammengestellter Rohfleischfütterung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass anfangs alles perfekt erscheint, aber dann Mangelerscheinungen auftreten; oder vielleicht eine Überversorgung mit bestimmten Mineralien oder Vitaminen. Leider sehen wir bei „Fütterung nach Gefühl“ in 100 % der Fälle Probleme. Wenn jemand also nur Fleisch kauft, ist dieses mit Sicherheit mangelhaft an Kalzium, Vitamin A, D und vielen anderen Nährstoffen. Oftmals zeigen sich die Auswirkungen erst nach ein paar Wochen oder Monaten. Besonders bei älteren oder erwachsenen Tieren ist das so: Sie haben ihre inneren Reserven und können die Fehler ausgleichen – aber wenn sie klinische Symptome zeigen, ist der Schaden bereits ziemlich groß.
Was sind denn typische Erscheinungen?
Die Ernährung würde definitiv zu einem Kalziummangel führen, und wir würden einen zu hohen Phosphorgehalt feststellen, also ein umgekehrtes Verhältnis von Phosphor zu Kalzium. Das bedeutet, dass Kalzium vermehrt in den Blutkreislauf transportiert wird, nur um den Blutspiegel auszugleichen. Dadurch werden mit der Zeit die Knochen immer brüchiger. Dies ist bei heranwachsenden oder jüngeren Tieren, deren Mineralsystem sich noch entwickelt, deutlicher zu erkennen, aber auch bei erwachsenen Tieren können wir diesen Mangel beobachten. Kalziummangel kann ebenso zu sekundärem Hyperparathyreoidismus führen. Insgesamt hängt viel davon ab, welche Organe gefüttert werden. Gibt man beispielsweise zu viel rohe Leber, kann es zu einer Überversorgung mit Vitamin A kommen, und sogar zu einer Vitamin-A-Vergiftung.
Was sind die Folgen einer Vitamin-A-Vergiftung?
Zum Beispiel die deformierende zervikale Spondylose. Diese Verwachsung der Wirbel im Halsbereich führt mitunter zu teils schwerwiegenden neurologischen Symptomen. Typischerweise tritt das auf, wenn Besitzer ausschließlich rohe Leber füttern. Die Verknöcherung kann recht schnell passieren und es hat den Anschein, als sei das Tier tatsächlich plötzlich gelähmt. Erstaunlicherweise ist es aber reversibel; die Sache normalisiert sich von allein, wenn die Ernährung wieder auf normalen Vitamin-A-Gehalt umgestellt wird.
Oft ist es machbar, die Besitzer zu einer Mischung zu ermutigen, sodass sie rohes Fleisch nur in bestimmten Mengen anbieten. Ist das eine Option?
Auf jeden Fall. Rechnerisch empfehlen wir, dass der Rohfleischanteil, vorzugsweise kurz angebraten, etwa 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen darf. Damit ist man ziemlich sicher im grünen Bereich, und die Menge ist doch groß genug, dass die Tierbesitzer zufrieden sind. Außerdem lässt sich die Menge in der Praxis leicht berechnen – ein nettes Service.
Bei Freigängerkatzen muss man diesen Aufwand aber nicht machen, oder?
Das ist ein guter Aspekt, denn wir würden Mäuse immer als bestes Futter betrachten, weil die Katzen im Grunde alles mitverzehren, also auch die Knochen, das Knochenmark und manchmal sogar das Gehirn – ziemlich unappetitliche Dinge aus menschlicher Perspektive, die aber einen enormen Unterschied zu reinem Muskelfleisch oder einzelnen Organen machen. Im Grunde versuchen wir mit Fertigfutter nichts anderes, als alle Nährstoffe einer Maus in ein kommerzielles Futtermittel zu bekommen.
Es gibt ja wirklich viele Bedenken beim Fertigfutter: Hohe Phosphatgehalte sind im Hinblick auf die Nieren ein großes Thema – oder die Vitamin-D-Hypothese, die in Bezug auf FORL nie bestätigt, aber auch nie entkräftet wurde. Wie sicher ist also Fertigfutter?
Das ist eine wichtige Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Tierärztliche Futtermittel sind definitiv die richtige Wahl, denn diese Hersteller achten wirklich auf alle Details und beschäftigen meist Tierernährungswissenschaftler in ihren Teams. Sie berücksichtigen
alle Aspekte – daher auch die großen Preisunterschiede.
Marken, die es beim Tierarzt gibt, bieten auch im allgemeinen Handel ihr Futter an …
Ja. Man kann annehmen, dass das Wissen über die Tierernährung auch in das normale Sortiment einfließt. Wir würden also erwarten, dass wir auch in diesem Segment gute Produkte haben. Aber das kann man nicht leichtfertig beantworten. Ich würde mich auf meine eigene Erfahrung oder die meiner Kollegen verlassen.



