Ausgabe 05/2026
Mag. Reinhard Fuchs, DI Elisabeth Reitbauer, Univ.-Doz. DI Dr. Klemens Fuchs, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Im vorliegenden Bericht werden die Vertriebs- und Abgabemengen des Jahres 2024 von in der Veterinärmedizin für Nutztiere zugelassenen Antibiotika dargestellt und mit den Vorjahren verglichen. Die Gesamtvertriebsmenge an antimikrobiell wirksamen Substanzen für Nutztiere hat im Vergleich zum Jahr davor um 6,5 % zugenommen und lag im Jahr 2024 bei 34,56 Tonnen.
Die Vertriebsmenge der von der WHO als „Antibiotika von allerhöchster Bedeutung für die Humanmedizin“ eingestuften Antibiotika hat seit dem Jahr 2023 um 5 % (von 4,0 Tonnen auf 4,19 Tonnen) zugenommen. Diese Wirkstoffgruppen haben über die Jahre einen relativ konstanten Anteil von rund 12 % an der Gesamtmenge.
Generell zeigen die Vertriebsmengen der letzten Jahre Schwankungen. Diese lassen sich einerseits auf die Verfügbarkeit einiger Tierarzneimittel zurückführen und andererseits auf den Auf- und Abbau von Lagerbeständen. Die zugrunde liegende Tierpopulation weist über die letzten Jahre nur geringfügige Änderungen auf, weswegen die Änderungen in der Vertriebsmenge nicht durch geringere bzw. höhere Tierzahlen erklärbar sind.
Hausapothekenführende Tierärztinnen und Tierärzte geben im Rahmen ihrer Abgabemeldung die Tierart an, für die das Antibiotikum abgegeben wurde. Dadurch lassen sich die Abgabemengen antimikrobiell wirksamer Substanzen den Tierarten zuordnen. Um die Abgabemengen der unterschiedlichen Tierarten miteinander vergleichen zu können, müssen diese auf Basis der jeweiligen Tierpopulation normiert werden. Dazu hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Normierungsfaktor PCU eingeführt. Dieser ist ein technisches Maß und bezieht sich auf ein Kilogramm Körpergewicht. Daraus resultieren normierte Werte beim Schwein von 58,1 mg/PCU (+3,6 mg/PCU im Vergleich zum Vorjahr), beim Rind von 17,2 mg/PCU (+0,9 mg/PCU im Vergleich zum Vorjahr) und beim Geflügel von 19 mg/PCU (-0,5 mg/PCU). Diese Zahlen sind noch mit einer größeren Unsicherheit behaftet, da im Rahmen der verpflichtenden Abgabemengenerhebung keine direkt angewandten Antibiotika erfasst werden.

Ergebnisse der Vertriebsmengenerhebung
Im Vergleich zum Jahr 2023 kam es 2024 zu einer Zunahme der verkauften Gesamtmenge um 2,1 Tonnen. Das entspricht einer relativen Zunahme von 6,5 %.
Verkaufte Mengen in Tonnen nach ATCvet Level 2
Die Vertriebsmengen der Antibiotika für die systemische Anwendung (ATCvet QJ01) haben im Vergleich zu 2023 um 2,23 Tonnen zugenommen. Die größten Zunahmen sind bei den Penicillinen (+1,41 Tonnen), Tetrazyklinen (+0,45 Tonnen) und Makroliden (+0,33 Tonnen) zu verzeichnen. Hinsichtlich der Anwendungsform ist bei den oral anzuwendenden Antibiotika eine größere Zunahme (+1,7 Tonnen) zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2023 gab es 2024 bei den intestinal anzuwendenden Antibiotika (ATCvet QA07) eine Abnahme der verkauften Mengen. Die Gesamtmengen intramammär applizierter Antibiotika (ATCvet QJ51) haben im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen, wobei es für die Gruppe der sonstigen Präparate, die während der Laktation zur Anwendung kommen, eine leichte Zunahme und für Trockensteller eine Abnahme gibt. Die Vertriebsmengen der Antibiotika zur intrauterinen Anwendung (ATCvet QG01, QG51) weisen keine Änderungen gegenüber dem Vorjahr auf.
Betrachtet man die Art der Anwendung, so liegen die oral anzuwendenden Präparate (Pulver, Tabletten und Pasten) zur Behandlung von Einzeltieren oder Gruppen von Tieren mit 27,38 Tonnen (79,2 % der gesamten Vertriebsmenge) auch im Jahr 2024 weit vor den anderen Anwendungsformen. Die parenteral anzuwendenden Präparate liegen mit 5,51 Tonnen (15,9 %) an zweiter Stelle, gefolgt von der Gruppe der intramammären Anwendungen (0,91 Tonnen bzw. 2,6 %), denen auch die Trockensteller zugeordnet wurden. Die oral zur Bestandsbehandlung eingesetzten Fütterungsarzneimittel-Vormischungen (Prämix) machen mengenmäßig 0,66 Tonnen (1,9 %) aus.

Ergebnisse der Abgabemengenerhebung
In Österreich waren im Jahr 2024 1.758 Tierärztliche Hausapotheken (HAPO) gemeldet, davon haben 1.559 im Jahr 2024 auch Antibiotika bezogen, wobei 95 % der Antibiotika an 335 HAPO (rund 20 %) verkauft wurden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 80 % der HAPO nur 5 % der Gesamtmenge beziehen.
In der Abgabemeldung müssen hausapothekenführende Tierärztinnen und Tierärzte angeben, welche Antibiotika in welcher Menge an welche landwirtschaftlichen Betriebe abgegeben wurden. Dieser Meldeverpflichtung sind insgesamt 538 von 1758 HAPO für das Meldejahr 2024 nachgekommen.
Um die Vollständigkeit der Abgabedaten überprüfen zu können, müssen hausapothekenführende Tierärztinnen und Tierärzte, die zu keiner Abgabemeldung nach Veterinär-Antibiotika-MengenströmeVO §7 (2) verpflichtet sind, eine sogenannte Abgabe-Leermeldung tätigen [siehe Veterinär-Antibiotika-MengenströmeVO §7 (3)]. Eine solche haben heuer 1020 HAPO durchgeführt. Von den erwähnten 335 HAPO (Top 95 %) haben 319 im Jahr 2024 eine Abgabemeldung bzw. Abgabe-Leermeldung gemacht.
Insgesamt wurden im Jahr 2024 rund 27,9 Tonnen an landwirtschaftliche Betriebe abgegebene Antibiotika gemeldet. Die Differenz von circa 6,6 Tonnen (19,1 %) zur Meldung der Hersteller, Depositeure und Arzneimittel-Großhändler kann unterschiedliche Ursachen haben, etwa die Anwendung durch Tierärztin oder Tierarzt, die Abgabe an nicht meldepflichtige Tierarten, Lageraufbau oder Nichtmeldungen.
Speziesbezogene Auswertungen
Neben der Angabe, an welche landwirtschaftlichen Betriebe Antibiotika abgegeben wurden, müssen die hausapothekenführenden Tierärztinnen und Tierärzte auch melden, für welche Tierart und Nutzungsart die Antibiotika abgegeben wurden.
Da sich die Bestände und Schlachtzahlen unterschiedlicher Tierarten voneinander unterscheiden, werden die Abgabemengen für Schwein, Rind und Geflügel in Abbildung 3 normiert in mg/PCU dargestellt.

Abgabemengen für Schweine
In Abbildung 4 sind die gemeldeten Abgabemengen für Schweine je Wirkstoffgruppe in Tonnen dargestellt. Eine Aufteilung der Abgabemengen für Schweine nach den gemeldeten Nutzungsarten ist in Abbildung 5 dargestellt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass 2024 ein Anteil von 25,4 % aller abgegebenen Antibiotika in der Schweinemast verwendet wurde.



Abgabemengen für Rinder
In Abbildung 6 sind die gemeldeten Abgabemengen für Rinder je Wirkstoffgruppe in Tonnen und in Abbildung 7 anteilsmäßig in Prozent nach der gemeldeten Nutzungsart dargestellt.



Abgabemengen für Geflügel
In Abbildung 8 sind die gemeldeten Abgabemengen für Geflügel je Wirkstoffgruppe in Tonnen dargestellt. Analog zu den vorherigen Seiten (Abgabemengen für Schweine und Abgabemengen für Rinder) sind in Abbildung 9 die Abgabemengen prozentuell nach der gemeldeten Nutzungsart für Geflügel dargestellt.



Diskussion
Der starke Rückgang in der Vertriebsmenge aus dem Jahr davor konnte 2024 nicht fortgesetzt werden – der Wert ist mit 34,56 Tonnen wieder vergleichbar mit 2022. Die letzten Jahre waren auch von stärkeren Schwankungen in den Vertriebsmengen geprägt, die zum Teil durch Lageraufbau bzw. -abbau [aufgrund von Ungewissheit über die Marktsituation und (Nicht-)Verfügbarkeit von Arzneimitteln] erklärbar waren.
Die Verkaufsmengen der als „Highest Priority Critically Important Antimicrobials (HPCIA)“ eingestuften Wirkstoffe (WHO Advisory Group on Integrated Surveillance of Antimicrobial Resistance und World Health Organization 2017) schwankten über die letzten fünf Jahre zwischen 4,0 und 5,72 Tonnen und lagen im Jahr 2024 bei 4,19 Tonnen. Über die Jahre haben die HPCIA einen relativ konstanten Anteil von 12–13 % an der Gesamtmenge.
Der Indikator mg/PCU, der eine grobe Abschätzung über die verkaufte Antibiotikamenge pro Kilogramm produzierter Lebensmasse darstellt, ist 2024 auf 37,2 mg/PCU gestiegen und somit um 6,9 % höher als 2023. In absoluten Zahlen bedeutet das eine Zunahme um 2,4 mg/PCU. Das Verhältnis der durch die HAPO in Summe abgegebenen Antibiotika zur Summe der eingekauften Antibiotika lag 2023 bei 82,1 % und 2024 bei 80,9 %.
Auf Basis des österreichischen Erfassungssystems, bei dem jede HAPO ihre Abgabemengen je Betrieb, Tierart und Nutzungsart melden muss, ist es möglich, speziesbezogene Auswertungen zu erstellen. Die Abgabemengen des Jahres 2024 zeigen im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von +0,9 mg/PCU bei Rindern, eine Zunahme von +3,6 mg/PCU bei Schweinen und eine Abnahme von -0,5 mg/PCU bei Geflügel. Diese Werte geben nur einen allgemeinen Trend wieder und sind mit gewissen Unsicherheiten behaftet. Diese sollen in Zukunft durch die zusätzliche Erfassung der Anwendungsdaten und weiterer Tierarten verringert werden, um so ein genaueres Bild des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren zu erhalten.
Mit dem Animal Health Data Service (AHDS) wurde im Jahr 2023 eine neue Auswerteplattform geschaffen, welche unterschiedliche Datenbanken verknüpft und den jeweiligen Benutzergruppen zielgerichtete Auswertungen bereitstellt. Rinder- bzw. schweinehaltende Tierhalterinnen und -halter und hausapothekenführende Tierärztinnen und -ärzte können ihre Antibiotikaauswertungen über das AHDS einsehen. Der einfache Zugang zu diesen Auswertungen soll einen weiteren Beitrag zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich des Antibiotikaeinsatzes darstellen.
Abbildungen: AGES
Link: https://www.ages.at/tier/tierarzneimittel-hormone/antibiotika-vertriebsmengen-in-der-veterinaermedizin-uebersicht/detail/antibiotika-vertriebs-und-abgabemengen-in-der-veterinaermedizin-2024