Editorial

Entlastung bei vorgezogenem Mutterschutz beschlossen

VJ Editorial Fruehwirth
Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
03.08.26

Inhaltsverzeichnis

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Ausgabe 07-08/2026

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Nach jahrelangem Einsatz und zahlreichen Gesprächen ist es gelungen, eine ­erste konkrete Hilfestellung für die Entgeltfortzahlung im Zusammenhang mit vor­zeitigem arbeitsbezogenem Mutterschutz zu schaffen.

Als Kammer haben wir dieses Thema über viele Jahre hinweg mit Nachdruck in Richtung der Politik und der zuständigen Entscheidungsträger getragen. Die Faktenlage ist eindeutig, die Problematik bekannt – und dennoch ist eine gesetzliche Lösung bis heute aus­geblieben. Diese anhaltende Untätigkeit ist nicht mehr zu rechtfertigen: Es ist nicht akzeptabel, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber weiterhin einseitig für eine Aufgabe herangezogen werden, die klar im ­gesamtgesellschaftlichen Interesse liegt. Die derzeitige ­Ausgestaltung führt zu einer strukturellen Schieflage, die das Vertrauen in eine faire Lastenverteilung zunehmend untergräbt. Wer Solidarität im System einfordert, muss sie auch konsequent um­setzen – ansonsten verliert sie ihre Glaubwürdigkeit.

Wir erwarten daher von der Politik nicht weitere Prüfprozesse oder vertagte Diskussionen, sondern eine konkrete gesetzliche Lösung. Es braucht endlich klare, faire und verbindliche Rahmen­bedingungen, die diese Belastung systematisch und dauerhaft regeln. Die Ver­antwortung dafür liegt eindeutig beim Gesetzgeber.

Da diese Lösung weiterhin aussteht, haben wir nun selbst gehandelt: Die Delegiertenversammlung hat auf meinen Antrag hin aus eigenen Mitteln ein entsprechendes Budget beschlossen und verbindliche Richtlinien geschaffen, um Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit vorzeitigem arbeitsbezogenem Mutterschutz zu ermöglichen. Damit wird zumindest eine teilweise und zeitlich begrenzte Entlastung geschaffen.

Diese Maßnahme ist ausdrücklich als Übergangslösung zu verstehen – nicht als Ersatz für gesetzliches Handeln. Sie ist vielmehr das Ergebnis politischen Stillstands und gleichzeitig ein deutliches Signal: Wir sind bereit, Verantwortung zu über­nehmen – aber sie wird strukturelle Versäumnisse nicht dauerhaft kompensieren.
In meiner Funktion als Kammerpräsident stelle ich klar: Diese Situation ist nicht zufriedenstellend und darf sich nicht verfestigen. Wir erwarten von der Politik zeitnah konkrete Schritte zur Lösung dieses Problems. Sollten diese ausbleiben, wird der Druck auf allen Ebenen weiter zunehmen müssen.

Diese Unterstützung ist Ausdruck unseres Handelns im Rahmen der Selbst­verantwortung – sie ersetzt jedoch nicht die Pflicht des Gesetzgebers, endlich für eine gerechte und nachhaltige Regelung zu sorgen.

Mag. Kurt Frühwirth
Präsident der Österreichischen Tierärztekammer