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Tierversicherungen: Schutz mit Risiken und Nebenwirkungen

VJ 12 2025 01 2026 Tierversicherungen
Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
16.01.26

Inhaltsverzeichnis

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Tierärztin Tanja Warta

Ausgabe 12/2025–01/2026

Fragt man Tierhalterinnen und Tierhalter in Umfragen, was für sie wichtige Aspekte eines Tierarztbesuchs sind, stehen Begriffe wie „Wohlergehen des Tiers, Kompetenz, Professionalität sowie gute Kommunikation und Zusammenarbeit“ immer auf den obersten Plätzen. Nur äußerst selten wird bei den Antworten das Thema Geld genannt. Aus tierärztlicher Perspektive ist dieser Aspekt aber ständig präsent – fast immer spukt die Frage im Hinterkopf: Was kann sich der Besitzer, die Besitzerin überhaupt leisten? Hat man es angesprochen, müssen immer wieder mögliche medizinische Maßnahmen auf Eis gelegt werden, weil es an der Finanzierung scheitert.

Um das Reizthema Kosten teilweise oder gänzlich aus der Schuss­linie zu nehmen, gibt es Tierkrankenversicherungen. Der größte Vorteil: Tierarztkosten werden bei umfassendem Ver­sicherungsschutz für den Besitzer, die Besitzerin besser planbar. Aber sind sie wirklich für jeden die beste Lösung? Dieser Frage ist eine Arbeitsgruppe der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Jahr 2022 nach­gegangen. Dabei teilte man Tierhalterinnen und Tierhalter nach den Kriterien Zahlungsbereitschaft und finanzielle Möglichkeiten in vier Kategorien ein:

A. Hohe Zahlungsbereitschaft + hohe finanzielle Möglichkeiten

B. Hohe Zahlungsbereitschaft + geringe finanzielle Möglichkeiten

C. Geringe Zahlungsbereitschaft + hohe finanzielle Möglichkeiten

D. Geringe Zahlungsbereitschaft + geringe finanzielle Möglichkeiten

Diese Einteilung verdeutlicht für Gruppe A: Wer bereit ist, für sein Tier etwas auszugeben, und auch genügend Geld zur Verfügung hat, wird auf Empfehlung wahrscheinlich eine Versicherung abschließen. Personen der Gruppen C und D hingegen werden dies eher nicht tun, denn wenn jemand nichts ausgeben will, spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob er Geld zur Verfügung hat oder nicht. Allerdings ist zu erwähnen, dass Tierhalterinnen gesetzlich dazu verpflichtet sind, für ihre Tiere zu sorgen und sie vor Schmerz, Leid und Krankheit zu schützen. Am stärksten profitieren von einer Tierkrankenversicherung jene Menschen, die der Gruppe B zuzuordnen sind: Wer sein Tier gern behandeln lassen möchte, es aber wirtschaftlich nicht kann, ist in einem Dilemma, das durch eine Krankenversicherung deutlich abgefedert werden kann.

„Aber man kann ja auch monatlich einfach Geld zurücklegen“ – so lautet das wohl häufigste Argument gegen eine Versicherung. Das stimmt nur begrenzt, denn wer zum Beispiel 50 Euro im Monat anspart, hat nach zwei Jahren 1.200 Euro auf der Seite. Kommt es dann zu einem Notfall, Unfall oder einer ernsten Erkrankung, ist dieser Betrag rasch aufgebraucht. Werden auch noch jährliche Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen abgezogen, steht der Tierbesitzer bzw. die Tierbesitzerin in kürzester Zeit wieder bei null. Außerdem: Gerät jemand in eine finanzielle Notlage, wird er bald auf das für das Tier ansparte Geld zugreifen (müssen).

Die Zahl der Anbieter von Tierkrankenversicherern ist in Österreich sehr überschaubar – das Vergleichs­portal „durchblicker.at“ hat fünf im Portfolio. Umgekehrt ist es dafür mit den Modalitäten: Monatliche Prämien, Limits bei den Jahresleistungen, Selbstbehalte und Ausschlusskriterien im Kleingedruckten machen die Vergleichbarkeit schwer bis unmöglich. Grundsätzlich gilt: Ein früher Einstieg, also im jungen Alter des Tiers, ist vorteilhaft. So erklärte Martin Spona, CEO der Vergleichsplattform „durchblicker.at“, in der Ausgabe 9/25 der Zeitschrift „Gewinn“: „Ab einem Alter von sechs Jahren bieten nur noch wenige Versicherer einen Schutz an, und ab sieben Jahren ist ein Neuabschluss kaum noch möglich.“

Neben Tierkrankenversicherungen gibt es auch reine OP-Versicherungen im Angebot. Diese sind deutlich günstiger – allerdings bergen sie Risiken, weil die Versicherer selbst darüber entscheiden, was sie als „OP“ definieren: Manchmal ist die Anästhesie ausschlag­gebend, ein anderes Mal muss ein Hautschnitt gemacht werden, und es kommt vor, dass beispielsweise Infusionen, Verbände, Schmerzmedikamente oder Nachsorge nicht mitversichert sind. Daher empfiehlt der deutsche Tierarzt und Youtuber Karim Montasser dringend, von der günstigen OP-Variante Abstand zu nehmen; auch deswegen, weil Diagnostik und Therapie internis­tischer Erkrankungen kostenmäßig ebenfalls in Höhen von Operationen steigen können. Eine allgemeine Tier­krankenversicherung befürwortet er aber: Zwar seien die Angebote nicht optimal und die Beratung nie wirklich unabhängig, und es gebe zur Kündigungsquote keine Zahlen; dennoch seien Versicherungen die derzeit beste Option für Tierbesitzerinnen, um mit Blick auf weiter steigende Kosten auch in Zukunft die Behandlungen bezahlen zu können.

Die deutsche Bundestierärztekammer veröffentlichte folgende Empfehlungen für die Frage, was im Versicherungsschutz enthalten sein sollte:

  • freie Tierärzt*innenwahl
  • Therapiefreiheit des Tierarztes bzw. der Tierärztin
  • Durchführung von regelmäßigen Prophylaxe­maßnahmen wie Impfungen, Geriatrie-Screenings und Gesundheitschecks
  • Operationen und deren Nachsorge
  • Kostenübernahme bis zum dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), damit z. B. auch Notfälle und Unfälle abgedeckt sind
  • Transparenz, welche Leistungen und Kriterien vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind (z. B. Altersgrenze, Erbkrankheiten, chronische Krank­heiten, Naturheilverfahren, Operationen)

Was also kann man Tierbesitzer*innen, die bereit sind, eine Versicherung abzuschließen, empfehlen?

  1. Für einen Hund etwa zwischen 60 und 80 Euro und für eine Katze zwischen 25 und 40 Euro für umfassenden Versicherungsschutz monatlich einplanen.
  2. Bei mindestens zwei Anbietern (besser mehreren) genau nachfragen, welche Leistungen inkludiert sind, um die best­mögliche Variante zu finden.
  3. Besitzer*innen aufklären, dass sie in vielen Fällen in Vorleistung gehen müssen und das Geld erst im Nachhinein erstattet bekommen.
Versicherungstabelle nach Hunderasse
Versicherungstabelle Katzen
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