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Erste internationale Leitlinie zu Demenzerkrankung beim Hund veröffentlicht

Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
28.02.26

Inhaltsverzeichnis

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Mag. Silvia Stefan-Gromen

Ausgabe 02/2026

Ein internationales Gremium hat im „Journal of the American Veterinary Medical Association“ (JAVMA) die ersten internationalen Leitlinien zur Diagnose und zum Monitoring des Canine Cognitive Dysfunction Syndrome (CCDS) veröffentlicht. Das Canine Cognitive Dysfunction Syndrome ist eine fortschreitende altersbedingte Hirnerkrankung bei älteren Hunden, die über ­normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht; ähnlich wie Alzheimer beim Menschen. „Die Leitlinien sind ein Startpunkt, um kognitive Veränderungen bei Hunden früh zu erkennen und klinische wie wissenschaftliche Arbeit zu vereinheitlichen“, sagt Professor Holger Volk, PhD, Leiter der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). „Sie sind bewusst praxisnah gestaltet – für Tierärztinnen in der Primärversorgung und für Tierhalterinnen – und sollen eine systematische Abklärung ermöglichen.“ Volk war Teil des Expertengremiums, in dem zwölf Fachleute aus Neurologie, Verhaltensmedizin, Grundlagenforschung, Neuropharmakologie, Neuropathologie, Radiologie und der haustierärztlichen Primärversorgung gemeinsam die Leitlinien erarbeiteten. Geleitet hat das Team Professorin Natasha J. Olby von der North Carolina State University in den USA.

Betroffene Hunde verhalten sich häufig anders: Sie sind desorientiert, zeigen veränderte soziale Interaktionen und Schlafmuster, werden unrein und haben vermehrt Angst. Nach aktuellen Studien ist etwa jeder dritte Hund mit zwölf Jahren und sogar jeder zweite Hund mit 15 Jahren von CCDS betroffen.

CCDS ist ein chronisches, sich stetig verschlechterndes altersassoziiertes neurodegeneratives Syndrom und gilt als veterinärmedizinisches Analogon zu frühen Stadien der Alzheimer-Erkrankung beim Menschen. Die Leit­linien sollen helfen, CCDS frühestmöglich zu erkennen:

  • Sechs unterschiedliche Verhaltensfelder helfen, die kognitive Gesundheit zu bewerten. Das sind die sogenannten DISHAA-Domänen: Desorientierung, soziale Interaktion, Schlaf-wach-Rhythmus, Hausunreinheit, Aktivität, Angst.
  • Die Leitlinien führen die drei Schweregrade „mild“, „moderat“ und „schwer“ ein, um die Kommuni­kation zwischen Tierarzt/Tierärztin und Patienten­besitzer*in sowie die Therapieplanung besser zu unterstützen.
  • Das Gremium definiert zwei diagnostische ­Niveaus: Level 1 basiert auf einer passenden Anamnese fortschreitender DISHAA-Symptome sowie klinischen, orthopädischen, neurologischen und Laboruntersuchungen (inklusive Ausschluss differenzial­diagnostischer Ursachen) sowie die erneute Bewertung nach Behandlung von zu­­sätz­lichen Erkrankungen. Level 2 umfasst zusätzlich ein MRT des Gehirns (kortikale Atrophie) und die Über­prüfung der Zellzahl im Hirnwasser (Liquor).
  • Für Obduktionen benennen die Leitlinien die ­histopathologischen Merkmale kortikale Atrophie, Amyloidablagerungen, Myelinverlust, Neuro­inflammation und Amyloidangiopathie als Gold­standard.

„Für die Praxis ist entscheidend, dass wir jetzt stan­dardisierte Kriterien haben, die frühere und konsisten­tere Diagnosen ermöglichen; mit direktem Nutzen für das Tierwohl und die Beratung der Halterinnen und Halter“, betont Volk. „Gleichzeitig schaffen wir die Grund­lage für robuste Studien, inklusive künftiger Blut-Biomarker und kognitiver Testbatterien. So stärken wir auch die translationale Brücke zur Humanmedizin.“

Die Arbeitsgruppe begann ihre Arbeit im Jänner 2025 und finalisierte die Empfehlungen in einem zweitägigen Präsenztreffen im August in den USA in Raleigh/Durham; ermöglicht durch eine Förderung des American Kennel Club (AKC). Ein Whitepaper ist online beim „Journal of the American Veterinary Medical Association“ verfügbar: https://avmajournals.avma.org/view/journals/javma/aop/javma.25.10.0668/javma.25.10.0668.xml

Hintergrund

Die Forschung an alternden Hunden liefert ­wertvolle Einblicke in neurodegenerative Prozesse: Da die Lebensphasen des Hundes rascher verlaufen als beim Menschen, sind klinische Studien effizienter möglich und bringen gleichzeitig wichtige Erkenntnisse für Mensch und Tier.

Rückfragen

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Prof. Holger Volk, PhD
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Klinik für Kleintiere
Tel.: +49 511 953-6200
kleintierklinik@tiho-hannover.de