Editorial

Ein Schritt mit Signalwirkung

VJ Editorial Fruehwirth
Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
13.03.26

Inhaltsverzeichnis

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Editorial Ausgabe 03/2026

Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen!

Der Austritt der ÖTK aus der Tiergesundheit ­Österreich (TGÖ) kommt für aufmerksame Be­obachter*innen nicht überraschend. Wie viele in der Zwischenzeit auch verstanden haben, geht es dabei nicht um ­einen Austritt aus den anerkannten Tiergesundheitsdiensten (TGD) der Länder; vielleicht hat auch die potenzielle Verwechslungsgefahr für Verunsicherung gesorgt.

Was als breit getragenes Kooperationsmodell gedacht war, entwickelte sich zunehmend zu einem Konstrukt mit divergierenden Interessen – und zu wenig klarer Verantwortung. Zu lange wurden strukturelle Schwächen, Kompetenzkonflikte und mangelnde Transparenz hingenommen.

Insbesondere das „freiwillig“ verpflichtende Programm „Erweitertes Tiergesundheitsmonitoring“ (ETGM) offenbarte schon beim Start der TGÖ ­grundlegende Probleme: Fehlende Akzeptanz, offene Datenschutzfragen und ein zweifelhafter Mehrwert für Betriebe und Tierärzteschaft sorgten für heftige Diskussionen auch in der Kollegenschaft. Auch die aktuell aufgeflammte Debatte rund um mög­liche Impfstofffreigaben im Rinderbereich zeigt, wie sensibel die Balance zwischen Landwirtschaft und tierärztlicher Verantwortung ist. Der tierärzt­liche Tätigkeitsvorbehalt gewährleistet dabei fach­liche Unabhängigkeit, wissenschaftliche Fundierung und eine klare Verantwortungszuweisung – und darf daher nicht schleichend ausgehöhlt, sondern muss konsequent geschützt werden.

Doch das Signal wirkt noch weitreichender. Österreich verliert zunehmend Großtierärztinnen und -tierärzte, Nachbesetzungen bleiben aus. Ohne wirtschaftlich tragfähige Praxisstrukturen gerät nicht nur ein Berufsstand unter Druck, sondern die Versorgungssicherheit ganzer Regionen. Das Veterinärwesen ist systemrelevant – gesundheits­politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch.

Der Austritt ist daher mehr als ein formaler Schritt. Er verdeutlicht die Dringlichkeit: Es braucht endlich eine nationale Strategie für die tierärztliche Ver­sorgung, ein klares politisches Bekenntnis und tragfähige Strukturen. Ohne rasches Handeln droht der Verlust von Landtierärztinnen und -tierärzten, was langfristig auch die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelsicherheit unseres Landes gefährdet. Gleichzeitig sind Innovationen, gezielte Förderungen und Nachwuchskonzepte erforderlich, um den Beruf wieder attraktiv und ­zukunftssicher zu gestalten.

Mag. Kurt Frühwirth
Präsident der Österreichischen Tierärztekammer

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