Schon gewusst?

Varroa-Resistenz mal anders

Verfasst von
office@tieraerzteverlag.at
Veröffentlicht am
09.10.26

Inhaltsverzeichnis

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Ausgabe 09/2026

FTA Dr. Anita Winkler, FTA Dr. Vinzenz Loimayr, Mag. Elmar E. Ebner

Was sind die Vor- und Nachteile von synthetischen Akariziden?

Eine einfache Anwendbarkeit, wenig Zeitaufwand bei der Anwendung und gute Behandlungserfolge im ersten bzw. zweiten Jahr lassen potenzielle Rückstände im Wachs schnell vergessen sein. Besonders bei hohem Varroa-Druck, wenig Zeit für eine Behandlung oder ungünstigen Witterungsbedingungen stellen synthe­tische Akarizide für viele Imkerinnen und Imker eine attraktive Behandlungsoption dar. Zudem ermöglichen einige Präparate eine standardisierte Langzeitbehandlung mit relativ geringem ­Arbeitsaufwand. Rückstände im Wachs sind aufgrund der lipophilen Eigenschaften der Wirkstoffe jedoch kaum vermeidbar. In höheren Konzentrationen können diese auch negative Auswirkungen auf die Larvenentwicklung und die Wachsqualität haben.

Wie entsteht eine Resistenz?

Werden Präparate auf Basis von Flumethrin oder Amitraz regelmäßig bzw. über mehrere Saisonen wiederholt angewendet, entsteht ein Selektionsdruck auf die Varroamilbe, der resistente Milben hervorbringt. Bei Flumethrin wird die Resistenz durch eine Punktmutation im spannungsabhängigen Natriumkanal verursacht. Gegen Amitraz wurden mehrere Mutationen gefunden, die auf eine Resistenz hindeuten. Beim Wegfallen des Selektionsdrucks können bereits nach wenigen Generationen wieder gegen die Wirkstoffe sensible Varroen festgestellt werden.

Im Einsatz: Zwei Bienenstöcke mit Anwendung von Polyvar Yellow, einem Flumethrin-Arzneimittel, vor dem Flugloch.

Welche praktische Relevanz hat das?

Für die tierärztliche Praxis bedeutet das: Für jede Behandlung mit einem Arzneimittel sollte vor, während und nach der Anwendung eine Erfolgskontrolle, in Form einer Varroa-Zählung, durch­geführt werden. Anamnestisch ist eine Erfassung von bisherigen Behandlungen unbedingt erforderlich. Meldet eine Imkerin trotz korrekter Anwendung eines zugelassenen Präparats weiterhin hohe Milbenbelastungen, starken Milbenfall nach Folgemaßnahmen oder einen Winterverlust trotz „korrekter Behandlung“, sollte neben Anwendungsfehlern auch eine mögliche Resistenz in Betracht gezogen werden. Spezialisierte Labore können diese mittels molekularbiologischer Verfahren (qPCR) aus einzelnen überlebenden Varroamilben überprüfen. Bei einer rechtzeitig ­erkannten Resistenz kann unmittelbar mit einem Präparat auf ­Basis einer organischen Säure behandelt werden.

Empfehlung:

Flumethrin- oder Amitraz-Präparate sollten nicht routinemäßig Jahr für Jahr eingesetzt werden. Ihr Einsatz sollte gezielt ­erfolgen, immer in ein integriertes Varroa-Management eingebettet sein und entsprechend der Herstellerangaben auch so kurz wie ­möglich vorgenommen werden. Gerade weil diese Wirkstoffe in Österreich noch vielfach wirksam sind, ist ein verantwortungsvoller Umgang entscheidend, um ihre Wirksamkeit auch im Sinne des One-Health-Ansatzes möglichst lange zu erhalten. Weniger eingesetzte synthetische Akarizide führen auch zu weniger Rückständen im Wachs.

Merke:

Die derzeit noch vergleichsweise günstige Resistenzsituation
in Österreich ist kein Grund zur Entwarnung – sondern ein ­Anlass, die vorhandenen Wirkstoffe besonders sorgfältig einzusetzen.

Quelle:

Hernández-Rodríguez, C.S. et al. (2022): Resistance to amitraz in the parasitic honey bee mite Varroa destructor is associated with mutations in the β-adrenergic-like octopamine receptor. Journal of Pest Science. DOI: 10.1007/s10340-021-01471-3

Hernández-Rodríguez, C.S. et al. (2024): A new mutation in the octopamine receptor associated with amitraz resistance in Varroa destructor. Pest Management Science. DOI: 10.1002/ps.8434.

González-Cabrera J, Davies TGE, Field LM, Kennedy PJ, Williamson MS (2013): An Amino Acid Substitution (L925V) Associated with Resistance to Pyrethroids in Varroa destructor. PLOS ONE 8 (12): e82941. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0082941

Weitere Infos unter: https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products